Deutschland ist ihr Eldorado: Die Schmuggler transportieren die Menschen nicht nur, sie verwerten sie auch. Insbesondere die albanische Mafia hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt. COMPACT sprach mit Manfred Paulus, dem ersten Kriminalhauptkommissar und Leiter der Kriminalinspektion Ulm. Als Kriminalhauptkommissar fahndete Paulus quer über den Kontinent nach den Kriminellen. Es folgen Auszüge aus dem Interview, das Sie vollständig in COMPACT 10/2015 lesen können.

COMPACT: Menschenhandel mit Zwangsprostituierten, Menschenhandel mit Flüchtlingen – gibt es Zusammenhänge bei diesen beiden Formen der Schlepperkriminalität?

Manfred Paulus: Die Handelswege für Frauen- und Kinderhandel haben sich verlagert: Zunächst führten mehrere Routen von den Nachfolgestaaten der Sowjetunion über verschiedene Transitländer nach Westen. Heute ist die Balkan-Route von größter Bedeutung. Spätestens seit dem EU-Beitritt Rumänien und Bulgariens im Jahr 2007 gibt es über diese Schiene einfachere Schmuggelmöglichkeiten. Die Route des Handels mit der Ware Frau ist auch die der Flüchtlinge. Die Schlepper nutzen möglicherweise eine bereits bestehende Infrastruktur und die Schlepper von Frauen, die der Prostitution zugeführt werden sollen, sehen neue Profitmöglichkeiten durch die Flüchtlinge. Es würde nicht wundern, würden sie ihr Geschäftsfeld in diese Richtung erweitern. Umgekehrt wurden schon früher im Rahmen des Frauen- und Kinderhandel mit Asylanträgen agiert.

Bulgaren waren die ersten Verhafteten, die für den Tod von 71 Flüchtlingen in einem Kühlwagen auf der österreichischen Autobahn Ende August verantwortlich gemacht wurden.

Es gibt da sehr gefestigte Strukturen der Organisierten Kriminalität. Man könnte zynisch von einer regelrechten Verwertungskette sprechen: Die Anwerbung oder Rekrutierung menschlicher Ware in den Herkunftsländern, dann die Schleusung in die Zielländer und schließlich die Ausbeutung dort, bei Frauen und Kindern in der (Zwangs-)Prostitution. Menschenhandel ist die einzige Form der Organisierten Kriminalität, wo man praktisch kein Anfangskapital braucht. Beim Drogenhandel zum Beispiel muss Geld in die Produktion oder zum Ankauf vorgestreckt werden. Das entfällt beim Menschenhandel: Für den Schleuser genügen Brutalität und Skrupellosigkeit als Anfangskapital.

Aber richtig profitabel wird es doch erst, wenn eine Bande die Verwertungskette kontrolliert, von der Sie eben sprachen. Wie sieht die Verwertungskette bei Flüchtlingen aus – können Sie dazu Genaueres sagen?

Bekannt geworden ist ein Fall in Hamburg: Albanische Bordellbetreiber sollen auch als Reiseunternehmer tätig geworden sein und versucht haben, Leute aus ihrer Heimat oder auch aus dem Kosovo zu uns zu bringen, und die hatten auch beste Kontakte zu den Immobilienbesitzern, bei denen die Leute dann unterkommen sollten.

Könnte man sagen, die Albanermafia ist mittlerweile die führende OK-Struktur in Deutschland?

Es gibt ständig Machtkämpfe. Die Albaner haben aber große Rotlichtbezirke eingenommen und sind mittlerweile flächendeckend in Deutschland vertreten. Hierzulande wird so getan, als ob aus einem kleinen unterentwickelten Land auf dem Balkan keine Gefahr drohe. Dabei bräuchte man nur schauen, was in Italien passiert ist: Dort hat im Rotlicht nicht mehr die ‚Ndrangheta das Sagen, sondern die Albaner. Und selbst auf die Ostküste der USA haben sie ihre Aktivitäten ausgedehnt. Die Albanische Mafia ist eine der gefährlichsten Verbrecherorganisationen der Welt. Oder nehmen wir das Kosovo: Das Einzige, was dort wirklich funktioniert, ist doch die Organisierte Kriminalität. Albanische Clans haben während der letzten Jahre dem Kanun, den überlieferten und ungeschriebenen „Gesetzen der Berge“ wieder Leben eingehaucht. Nicht ohne Grund, denn nach diesen Gesetzen sind Frauen und Kinder geradezu rechtlos. Sie sind der Besitz des Mannes und können nach Belieben verschleppt werden.

Warum ist Deutschland für diese Kriminellen so attraktiv?

Zum einen durch eine hohe Nachfrage nach illegalen Gütern – so auch nach Sexsklavinnen. Und dann, weil man bei uns so einfach ins Land kommt und weil die Gesetze gerade für Zuhälterei so sehr gelockert wurden. Deutschland ist im Grunde der Puff Europas – wobei das Wort Puff bei vielen den Eindruck erweckt, dass die Frauen dort freiwillig ihrer Tätigkeit nachgehen. Da würde ich ein großes Fragezeichen setzen.

Im Bereich des Menschenhandels gibt es nur 500 bis 600 Ermittlungsverfahren pro Jahr und noch viel weniger Verurteilungen. Das Risiko für die Täter ist gering, zu gering.Von etwa 400.000 Frauen, die sich hierzulande prostituieren oder die dazu gezwungen werden, sind weit über die Hälfte, in manchen Städten und Rotlichtbezirken bis zu 90 Prozent Ausländerinnen. Die in den deutschen Milieus tätigen Frauen sind nach allen polizeilichen Erkenntnissen zu 95 bis 99 Prozent fremdbestimmt, also im Grunde schon von daher Zwangsprostituierte.

Die Schleuser und Zuhälter wissen, dass sie in Deutschland weitgehend risikolos agieren können. Bemerkenswert erscheint mir, dass die Bundesrepublik deswegen nicht nur in den ost- und südosteuropäischen Rekrutierungsländern der Opfer einen miserablen Ruf hat. Man weiß dort sehr genau, was mit den Frauen (und Kindern) geschieht. Auch jenseits des Rheins löste das gelegentlich Irritationen aus. Unsere französischen Nachbarn unterscheiden sich entgegen verbreiteter Klischeevorstellungen mit ihrer restriktiven Haltung gegenüber der Prostitution ganz erheblich von der deutschen Großzügigkeit und Toleranz.

Während hierzulande wegen Zuhälterei aus verschiedenen Gründen – eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten, weniger Kontrollen, Einräumung eines weltweit einzigartigen „Weisungsrechts“ für Bordellbetreiber und Zuhälter im Prostitutions-Gesetz von 2002 – kaum noch angemessene Urteile wegen zuhälterischer Betätigung ergehen, hat Frankreich mit die härtesten Strafen von allen Staaten dieser Welt. Davon sehr wohl wissend, haben sich zum Beispiel albanische und bulgarische Zuhälter in den besseren Hotels des beschaulichen, deutschen Städtchens Kehl am Rhein eingenistet, um ihre Opfer von dort aus bei Tag und Nacht über die Europabrücke ins französische Straßburg zu treiben, wo diese den Straßenstrich bereichern.

Haben wir überhaupt Gesetze gegen Schlepper – oder wird die Justiz erst aktiv, wenn Körperverletzung oder Tötungsdelikte dazukommen?

Es gibt Gesetze gegen Menschenhandel, aber die haben hohe Hürden. Gegenwärtig werden jährlich in Deutschland um die 500 Verfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung registriert. Und nur einige wenige davon, so ist begründet zu vermuten, werden bei den gegebenen Voraussetzungen und Bedingungen mit einem – angemessenen – Urteil gegen die Täter enden.

Seit neuestem will sich ja auch Amnesty International für die Zuhälter einsetzen, auch das seien angeblich arme Verfolgte.

Da habe ich mich sehr gewundert. Entweder haben die Verantwortlichen bei Amnesty keine Ahnung, oder, was mich mehr erschrecken würde, es wird auch auf diese aller Ehren werte Organisationen schon von der kriminellen Lobby Einfluss genommen.

* Manfred Paulus, geboren 1943, war bis 2003 Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der Kriminalinspektion Ulm. Er war Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg und ist an Aus- und Weiterbildungsstätten der Polizei des Bundes und der Länder tätig. Mit seiner langjährigen Ermittlungserfahrung besonders im Bereich der Rotlichtkriminalität ist Paulus ein gefragter Experte und trat mehrfach bei Talkshows wie Sandra Maischberger auf. – 2014 erschien sein Buch Organisierte Kriminalität Menschenhandel. Tatort Deutschland: Frauenhandel, Kinderhandel, Zwangsprostitution, Organhandel, Handel von Arbeitskräften (Klemm Verlag, 160  Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-86281-070-3).

Zuerst erschienenCompact Magazin
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2. Oktober 2015 9:38

deutschland ist auch der ausbeuterstaat nr 1 europas.

2. Oktober 2015 10:33

Gratis Puff für die neuen Facharbeiter und Chiropraktiker , das Volk wurde zum Pack degradiert ! ! So schlecht wie jetzt, war die Stimmung in der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten noch nie ! Wir werden nur noch Germerkelt und Vergauckelt !

2. Oktober 2015 10:40

mit grandioser PUFFMUTTER !

2. Oktober 2015 11:33

Frankreich an Migrantenschmuggel beteiligt ,also mit wissen der EU! http://www.voltairenet.org/article188893.html

3. Oktober 2015 3:42

Da wäre ich gerne der Zuhälter ;-)

3. Oktober 2015 5:34

es stimmt in der Überschrift,gerade im Gebrauchtwagenmarkt,fällt keine Mehrwertsteuer an………,keine Buchführungen,……….

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