Giralgeldschöpfung, Buchgeld und Giralgeld

Die Antwort wer dem Staat das Geld leiht scheint vordergründig logisch: Die Banken. Hierzu ein kurzes Gedankenexperiment.

Während der Finanzkrise im Jahr 2007 benötigten die Banken Geld, da sie kurz vor dem Zusammenbruch standen. Um diese Banken zu retten, mussten die bereits hoch verschuldeten Staaten weitere Kredite aufnehmen. Wie konnte man sich also bei den “Pleitebanken” jenes Geld leihen, welches man für ihre Rettung benötigte?

Ein kurioser „Taschenspielertrick“

Die Antwort ist: Banken verleihen kein eigenes Geld! Sie geben Kredit!

Hierbei wird neues Geld mit einem Buchungssatz in der Bankbilanz erschaffen und an die Kreditnehmer verliehen – an Privatleute, an Unternehmen, an Staaten. Banker bezeichnen den Vorgang als Giralgeldschöpfung. Dabei wird frisches Buchgeld (auch Giralgeld genannt) erschaffen. Die Giralgeldschöpfung unterliegt also nicht, wie fälschlicherweise von vielen gedacht, einem Monopol des Staats, sondern wird größtenteils von privaten Banken durchgeführt. Man nennt es auch: Die „Geldschöpfung aus dem Nichts“ (ex nihilo).

Die “Bankenrettung” im Jahre 2007 war ein Taschenspielertrick. Die Staat nahm Kredite auf, welche die Banken aus dem Nichts erzeugten, um das Buchgeld / Giralgeld (Geld auf einem Girokonto) im Anschluss an die Banken zurückzuführen. Die Bürgschaften, sowie die fälligen Zinsen übernimmt natürlich der Steuerzahler.

Grenzen der Giralgeldschöpfung

Die gesetzliche Grenze für die Giralgeldschöpfung der Banken nennt sich Mindestreserve und liegt bei derzeit 1% (!). Dies bedeutet, dass private (!) Banken dass 100-fache vom Kassenbestand im Zuge der Giralgeldschöpfung aus dem Hut zaubern können. Nun sollte auch jedem klar sein, warum Politiker bei den ersten Anzeichen einer Krise, die Bevölkerung stets dazu aufrufen Ruhe zu bewahren und NICHT zur Bank zu gehen, um das Ersparte abzuheben.

Kurzes Gedankenexperiment: Man fotografiere einen Apfel und verteile das Foto an 100 Leute. Nun erzählt man jedem, dass ihm dieser Apfel gehöre und wenn er Hunger habe, dann kann er selbstverständlich das Foto gegen den Apfel einlösen. Nun die Frage: Wem gehört der Apfel? Gehört jeder Person ein Apfel oder gehört jedem nur ein Anteil? – Fakt ist, die erste Person, die das Foto gegen den Apfel einlösen will, wird ihn bekommen. Die restlichen 99 werden wohl verhungern müssen.

Genau so, verhält es sich auch mit der Giralgeldschöpfung und dem Buchgeld / Giralgeld. Viele Menschen vertrauen blind und glauben fälschlicherweise, dass ihnen dieses Buchgeld tatsächlich gehört, welches auf ihrem Kontoauszug verzeichnet ist. Das ist ein Trugschluss! Erst im Falle einer Krise, wenn die Geldautomaten kein Geld mehr auszahlen und alle Banken der Reihe nach Insolvenz anmelden, werden die meisten das System verstehen lernen.

Vermögen und Schulden: Zwei Seiten einer Medaille

Die Giralgeldschöpfung führt dazu, dass sämtliches Geld, als Kredit (Schuld) in den Wirtschaftskreislauf gerät. Wir leben in einem Kreditgeldsystem (Schuldgeldsystem), indem stets genau so viel Vermögen, wie Schulden existieren (siehe Abb.). Einen Haken gibt es aber noch: Der Zins. Bei Kreditvergabe (Giralgeldschöpfung) wird das Geld für die Zinsen nicht mitgeschöpft und fehlt somit im System (siehe Video in der rechten Seitenleiste).

Unser derzeitiges Geldsystem bringt viele Probleme mit sich. Hauptsächlich Schuld daran sind Zins, Zinseszins und ständiges Wirtschaftswachstum.

Wird ein Kredit zurückgezahlt, so wird das aus dem Nichts erschaffene Geld wieder vernichtet. Im extremen Falle der Rückzahlung sämtlicher Kredite, würde also kein Geld mehr auf der Welt existieren. Die Schulden für die Zinsen blieben hingegen noch offen, sind aber ohne Geld nicht bezahlbar. Die Bank würde zur Enteignung schreiten. Dieser Extremfall zeigt sehr gut, was tagtäglich kaum wahrnehmbar passiert: Immer mehr Privatleute und Unternehmen können ihre Kredite nicht bezahlen und müssen ihr Eigentum verpfänden. Das ist kein Pech oder Unfähigkeit dieser Menschen, sondern ein System, welches die Früchte der Arbeit und die Bodenschätze der Erde nach und nach einer reichen Elite zuführt.

Individual_insolvencies_in_england_and_wales,_1960_to_2007Unser derzeitiges Geldsystem bringt viele Probleme mit sich. Hauptsächlich Schuld daran sind Zins, Zinseszins und ständiges Wirtschaftswachstum.

Zur Beseitigung dieser Missstände und zum Abbau der Staatsverschuldung fordern führende Politiker immer mehr Wirtschaftswachstum ein. Wirtschaftswachstum setzt in der aktuellen keynesianistischen Wirtschaftstheorie ein Wachstum der Geldvermögen voraus, welches in einem Schuldgeldsystem ein ebenso großes Wachstum der Schulden nach sich zieht. Die Staatsentschuldung lässt sich also nur dadurch abbauen, indem man die immer größer werdenden Schulden auf Privatleute und Unternehmen abschiebt. Für den Endverbraucher/Steuerzahler macht dies jedoch letztendlich keinen Unterschied.

Der Endverbraucher zahlt indirekt die Zinsen aller Schulden im System, egal wo sie entstanden sind.

Die Frage die sich nun aber stellt ist folgende: Wieso wird ständig an uns appelliert, mehr zu arbeiten und “den Gürtel enger” zu schnallen, um ein Wirtschaftswachstum zu bewirken, welches uns und zukünftige Generationen vom riesigen Schuldenberg entlasten soll!?

Jedes Jahr müssen also immer mehr Schulden aufgenommen werden, damit über das Geldmengenwachstum das Vermögenswachstum einer superreichen Elite sichergestellt ist. Dieser Zinstransfer wird über die Banken abgewickelt und dem Normalbürger als “systemrelevant” verkauft. Dies ist der Grund für das exponentielle Anwachsen der Staatsschulden. Dem kann nur durch ein ebenfalls exponentielles Wachstum der Wirtschaft entgegengewirkt werden, damit das System nicht kollabiert.

Unsere Wirtschaft unterliegt einem Wachstumszwang!

Hierzu ein kurzer Audio-Beitrag der Wissensmanufaktur:

Weitere wichtige Informationen zum Geldsystem: