Mit dem Wiederaufflammen der europäischen Banken-Krise ergreifen erste Banken drastische Maßnahmen und wollen ihren Kunden den Gebrauch von Bargeld verbieten. Wie schnell die finanzielle Repression als direkte Folge einer Wirtschaftskrise einsetzt, zeigt das Beispiel der größten norwegischen Bank.

Die größte norwegische Bank, DNB ASA, wird das Bargeld für ihre Kunden komplett abschaffen. Der Chef der DNB, Trond Bentestuen, sagte in einem Interview in der Zeitung VG:

Norwegen braucht kein Bargeld.

Interessant sind die Details seiner Begründung: Bentestuen sagte:

60 Prozent des Geldes, das in Norwegen im Umlauf ist, ist außerhalb unserer Kontrolle.

Er sagte, es sei naheliegend anzunehmen, dass dieses Geld in der „Geldwäsche“ kursiere. Auf die erstaunte Nachfrage von VG, ob dies denn bedeute, dass 30 Milliarden Kronen also in der Schattenwirtschaft versickern, gestand der Banker ein, dass es nur teilweise um Schwarzgeld gehe. Bentestuen:

Ein Teil dieses Geldes liegt bei den Leuten unter der Matratze. Es ist Geld, das wir nicht sehen.

Mit dieser Aussage gibt Bentestuen einen Hinweis, was hinter der Bargeld-Abschaffung steckt: Die Banken, wegen der Weltwirtschaftskrise unter Druck geraten, wollen sich den Zugriff über die Vermögenswerte der Bankkunden sichern.

Norwegens Wirtschaft befindet sich wegen der tiefen Erdölpreise in einer schweren Krise und ist in dieser Hinsicht ein Vorbote einer möglichen neuen Weltwirtschaftskrise. Norwegens Wirtschaft ist zu etwa zwei Dritteln vom Erdölgeschäft abhängig. Unter Preisen von 70 Dollar pro Barrel Öl können die Förderunternehmen des Landes laut dem norwegischen Notenbank-Chef keinen Profit mehr erzielen, meldet Bloomberg. Derzeit liegt der Preis mit ca. 31 Dollar für die Nordseesorte Brent sogar unter den reinen Produktionskosten.

Die norwegischen Sparer werden die drastischen Maßnahmen der DNB mit Aufmerksamkeit verfolgen: Sie sind ein Indiz dafür, dass die finanzielle Repression am heimischen Finanzplatz weiter zunehmen könnte. Bereits heute verzichten einige Banken des Landes darauf, in ihren Filialen Bargeld auszugeben. Überhaupt gehört das Land zusammen mit seinen skandinavischen Nachbarn Schweden und Dänemark zu den eifrigsten Befürwortern eines rein digitalen Zahlungsverkehrs.

Durchschnittliche Anzahl der Geldkartennutzungen pro Einwohner im Jahr 2010
Durchschnittliche Anzahl der Geldkartennutzungen pro Einwohner im Jahr 2010 (Quelle: europa.eu)

Die Aktivitäten rund ums Bargeld beschränken sich allerdings nicht auf Skandinavien. Zur Überraschung vieler hat sich auch der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, in Davos gegen das Bargeld positioniert, weil es „fürchterlich teuer und ineffizient“ sei.

Der Vorstoß der DNB Bank kann als Indiz dafür gelten, dass Sonderbelastungen auf Bankvermögen in der Politik diskutiert werden. Der IWF hatte bereits vor Jahren eine Vermögensabgabe von zehn Prozent für alle Haushalte zur Lösung der Schuldenkrise in Europa ins Gespräch gebracht. Am Montag war Norwegens Ministerpräsidentin mit dem Finanzminister und dem Zentralbankchef zu einem außerplanmäßigen Treffen zusammengekommen.

Für den Staat und die Banken liegen die Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs auf der Hand: Sie könnten Sparer durch den Einsatz von Negativzinsen zum Konsumieren zwingen und durch Sonderverordnungen leichter enteignen.

Tatsächlich sehen die neuen EU-Bankenregeln vor, dass eine drohende Banken-Pleite durch die Gläubiger der Bank erfolgen muss. Das so genannte „Bail-In“, also das Heranziehen von Vermögen der Gläubiger und Anleger zur Sanierung von Banken, können im Vorfeld durch den Abzug großer Mengen Bargeld erheblich erschwert werden. Für den Zugriff auf die Einlagen der Kunden gibt es in der Eurozone seit Jahresbeginn eine gesetzliche Grundlage – Norwegen könnte versucht sein, diese Praxis ebenfalls einführen. Sollte Bargeld tatsächlich abgeschafft werden, hätten die Sparer die Verfügungsgewalt über ihre Guthaben faktisch verloren.

Auch in Deutschland ist die Diskussion neu aufgeflammt – interessanter Weise von der SPD, die eine Begrenzung der Bargeld-Zahlungen auf 5.000 Euro fordert. Auch hier das Argument: Geldwäsche. Der Koalitionspartner CDU reagierte erstaunlich zurückhaltend und wies die Forderung nicht entschieden zurück, sondern bezweifelte lediglich ihre Wirksamkeit.

 

In Deutschland wäre die Abschaffung von Bargeld verfassungswidrig, wie der Verfassungsrechtler Christoph Degenhart dargelegt hat. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass die Verfassung in Deutschland in den vergangenen Jahren von der Regierung nur noch eingeschränkt geachtet wird. Im Falle eines Banken-Crashs dürfte den Deutschen die Verletzung des Grundrechts auf ihr Eigentum als „alternativlos“ verkauft werden.

Zuerst erschienenDWN
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Ein weiteres Kapitel auf dem Weg in die vollständige Versklavung des Individuums: Staaten und Banken können in Zukunft beliebig hohe Negativzinsen erheben und somit zum Konsumieren zwingen. Zudem ist dann die Enteignung von (politisch) unliebsamen Zeitgenossen kinderleicht möglich. Schöne Neue Welt. P.S. Jeder muss wissen, dass das eigene Girokonto in der Bankbilanz auf der Passivseite als "Verbindlichkeit ggü. Kontoinhaber" geführt wird. Das Geld auf Deinem Konto gehört Dir also nicht, sondern Du hast lediglich einen "Anspruch" auf das Geld, welcher bei einer Insolvenz der Bank verloren gehen kann. Außerdem wird dieser Anspruch auf ein und denselben Geldschein bis zu 100-mal vergeben, so dass Du NUR bei Bargeld behaupten kannst, dass dieses Geld auch tatsächlich Dein Geld ist.

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27. Januar 2016 12:30

und wie kann man einem Bettler etwas geld zustecken haben die Tollen Banken auch einen Plan dafür

27. Januar 2016 12:34

Der soll sterben, noch nicht geschnallt????

27. Januar 2016 12:35

So Ähnlich dachte ich es mir so sind die Herrschaften Drauf

Sybille Gross
2. Februar 2016 9:41
Nein, bestimmt müssen Bettler nicht sterben! So dumm sind die Banken und ihre Lakaien in der Politik nicht, dass sie als Kollateralschaden Bedürftige sterben lassen würden – nicht in erster Linie aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus der Befürchtung, dass dies der Akzeptanz schaden würde. Solche Mikro-Transfers würden auf die eine oder andere Weise über Smartphone / NFC abgewickelt, ebenso beim Bezahlen auf Flohmärkten, Brötchenkauf, usw. Noch schlimmer scheint mir, mit welcher Selbstverständlichkeit Staat und Banken glauben, über Geld und Vermögen der Bürger verfügen zu dürfen, gerade so als wären wir eine Staats- und Bankensklaven. Ist das nicht widerlich und zynisch, wenn… Weiterlesen »
27. Januar 2016 12:37

Wenn man da einen politischen Widersacher vernichten will, braucht man also nur noch per Mausclick alle Karten sperren.

27. Januar 2016 12:41

Wenn es kein Bargeld mehr gibt kann man ganz einfach auf das gesamte Vermögen der Bürger zugreifen ohne sie fragen zu müssen. Dazu passt auch http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/01/26/schaeuble-gibt-deutsche-sparguthaben-als-pfand-fuer-euro-risiken-frei/

27. Januar 2016 12:30

Wenn die Norweger noch nicht alle ihre ‚Gripskiste‘ verloren haben, dann müssten die Tage dieser Bank als „Größte“ gezählt sein.

27. Januar 2016 12:34
27. Januar 2016 12:55

Es wird schon lange an der Wiedereinführung der Sklaven durch das Kapital und ihrer Lakaien ( Regierungen von nicht souveränen Staaten wie Deutschland) gearbeitet.

27. Januar 2016 14:08

Sklaverei ist nie beendet worden, nur modernisiert

27. Januar 2016 13:26

Ich kann nur hoffen das das virtuelle Geld in pre paid Form kommt und nicht vollständig zurück verfolgt werden kann

27. Januar 2016 13:33

Da wird man dafür bestraft ,das man , wenn man dafür die Möglichkeit hat, Geld für eine größere Anschaffung oder Reparatur spart und bei der Bank liegen hat.
Da hilft nur eins alle das Geld abheben was nicht für Abbuchungen gebraucht wird

27. Januar 2016 13:42

Nicht umsonst nennt die Bank Dein Geld: Einlage !!

27. Januar 2016 13:47

Direkter Griff in unsere Tasche und unsere Enteignung. Wann wird die Knechtschaft und Sklaverei wieder eingführt?

27. Januar 2016 21:16

Dauert nicht mehr lang!

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